Die seit Mitte Juni weit verbreitet sehr gute Fichtentracht geht auch in den Hochlagen ihrem Ende entgegen. Da und dort ist die Tanne gut verspritzt und wird auch von den Bienen beflogen. Der Besatz der Grünen Tannenhoniglaus liegt aber nur an wenigen Standorten über 100 Tieren je Quadratmeter Zweigfläche. Mit einer guten Tannentracht und Tageszunahmen von etwa 3 kg ist nur dann zu rechnen, wenn dieser Grenzwert erreicht oder überschritten wird. Wenn erwachsene Tiere in der Lauspopulation fehlen wird vorerst keine weitere Vermehrung stattfinden. Da und dort kann sich ein Massenbefall noch im Juli entwickeln und zu einer Tannentracht im August führen.
Jung- und Altvölker haben sich im bisher sehr heißen Sommer sehr gut entwickelt und sind allgemein auch sehr gut mit Pollen versorgt.
An den Versuchsbienenständen der Landesanstalt liegt der natürliche Milbenabfall der Altvölker deutlich unter 10 Milben pro Tag und wird vor Ende einer möglichen Tannentracht die Schadenschwelle nicht überschreiten. Die mehrmalige konsequente Drohnenbrutentnahme im Mai und Juni hat sich ausgezahlt. Wie für die Beurteilung der Lauspopulationen gilt auch für die Beurteilung des Varroabefalls: Wer beobachtet weiß Bescheid und ist vor Überraschungen sicher. Für die Erfassung des natürlichen Milbenabfalls sind nur Windeln mit Rand geeignet. Außerdem können Ameisen und Ohrwürmer die Gemülldiagnose verfälschen. Deswegen dürfen die Windeln nur ein paar Tage eingeschoben werden.
Wer keine Tannentracht mehr nutzen will muss die Varroabehandlung seiner Völker nach einem Erlass des Ministeriums für Ländlichen Raum, Ernährung und Verbraucherschutz vom 25. Juni 2010 noch im Juli einleiten. Die Altvölker haben zurzeit noch sehr große Brutnester, die Jungvölker haben erheblich mehr Brutzellen als Bienen, sie dehnen ihr Brutnest noch aus und werden erst im August ihr Brutmaximum erreichen.
Eine wirksame Varroabehandlung von Alt- und Jungvölkern mit Ameisensäure oder Thymol noch im Juli kann leicht zu Brutschäden führen und die Volksentwicklung empfindlich stören. Eine brauchbare Alternative für Wirtschaftsvölker außerhalb der Tracht wäre die Varroabehandlung nach dem Konzept „Teilen und behandeln“. Dabei werden die entstehenden Halbvölker im brutfreien Zustand mit Milchsäure oder Oxalsäure behandelt und im Herbst wiedervereinigt. Das Verfahren hat sich auch im „Varroajahr“ 2009 bewährt. Der optimale Behandlungsbeginn liegt im Juli.
Wenn Sie noch Fragen haben, können Sie sich an Ihren Fachberater, an das zuständige Untersuchungsamt oder an uns wenden. Wir sind zu erreichen unter der Telefon-Nummer 0711-459 22659.
(Text: Landesanstalt für Bienenkunde an der Universität Hohenheim)
